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14.1.18 12:19


Wenn Glück durch den Magen geht

In den zurückliegenden Weihnachtsfeiertagen dürfte wie jedes Jahr in den allermeisten Haushalten dieser Nation das Essen eine entscheidende Rolle gespielt haben. Nicht nur das Weihnachtsmahl ist für viele mit ganz besonderen Erinnerungen und Gefühlen verbunden. In seinem Werk "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" lässt Autor Marcel Proust den Erzähler davon berichten, wie eine in Tee getunkte Madeleine ungeahnte Glückgefühle frei setzen kann, wenn man nach einem zermürbenden Tag entkräftet nach Hause zurückkehrt. Dabei ist es gar nicht so sehr der süße Geschmack des französisches Feingebäcks, sondern die dadurch ausgelöste Erinnerung an seine Jugend und die Sonntagmorgende bei seiner Tante auf dem Land, die eben jene Glücksgefühle auslösen. Ein schönes Beispiel dafür wie Essen uns glücklich machen kann.

Geschmack ist ein sehr effizienter Katalysator für Erinnerungen. Erdbeeren lassen uns vielleicht an einen ganz besonderen Sommer, der Sonntagsbraten an eine unterhaltsame Familiengeschichte und der Geburtstagskuchen an ein eindrückliches Erlebnis aus der Kindheit zurückerinnern. Der "unfreiwillige Moment der Erinnerung", wie Proust ihn bezeichnet, kann zumindest teilweise auch durch unbewusste mentale Prozesse erklärt werden, wenn es nach der Geruchsforschung geht. Die will nämlich heraus gefunden haben, dass Geruch der maßgeblichste Sinneseindruck bei der Wahrnehmung guten Geschmacks ist und im Gehirn, anders als andere Sinneseindrücke, starke emotionale Reaktionen und Erinnerungsprozesse in Gang setzt.

Natürlich ist es hilfreich, dass die weiter oben erwähnten Speisen im Regelfall sehr gut schmecken. "Leckeres Essen ist einer der universalsten Wege zu reinem Vergnügen", lautet die These des renommierten Psychologen Morten Kringelbach, der sich an der Oxford Universität bereits seit einiger Zeit mit der Neurowissenschaft des Glücklichseins beschäftigt. Das Essen stellt aus diesem Grund die Basis der meisten wissenschaftlichen Experimente dar, die versuchen zu ergründen warum sich gerade dabei dieses warme, kaum zu beschreibende Gefühl der Wohlergehens einstellt. Vergnügen wird dabei immer als eine essentielle Komponente des Glücklichseins angesehen: Der Anblick wohlschmeckender Speisen regt das Belohnungssystem an, die Dopaminausschüttung erzeugt eine verlangende Erwartungshaltung. Wenn wir dann schließlich tatsächlich essen werden körpereigene Opiate, quasi von unserem Gehirn produzierte Drogen ausgeschüttet.

So schön sie auch sein mögen, diese Glücksgefühle sind nur temporär und wer in Erwägung ziehen sollte sich durch die permanente Zufuhr von Kuchen und Junk Food in einen permanenten Sinnesrausch zu versetzen, der riskiert damit die Entstehung einer unkontrollierbaren Fresssucht und von - Schuldgefühlen. Ja tatsächlich. Es sei unser Wissen um diese Lebensmittel und ihre Wirkung auf uns, die uns letztlich nach dem Rausch einen emotionalen Dämpfer verpassen. Das jedenfalls wollen Psychologen der Universität Cardiff herausgefunden haben, die einer Testgruppe in England über einen Zeitraum von zehn Tagen jeweils Chips und Schokocrossies zur klassischen Five-o-clock Teetime reichte, während die andere Testgruppe Obst erhielt. Am Ende zeigte sich die Chips Gruppe müder und gereizter, während die Obst Gruppe weniger anfällig für emotionalen Stress zu sein schien.

Aber mal ganz abgesehen von diesen Gewissensfragen ist es einfach auch eine erwiesene Tatsache, dass eine ausgewogene Ernährung natürlich gesünder für uns ist. Ballaststoffe fördern beispielsweise in verschiedener Hinsicht die Verdauung. Vitamin B12, welches wir mit Fleisch, Fisch, Käse und Eiern aufnehmen, sorgt für die Aufrechterhaltung wichtiger Gehirnfunktionen auch im hohen Alter. Defizite dieses Vitamins konnte man bereits mit dem Hang zu Depressionen in Verbindung bringen.

Gutes, gesundes Essen bereitet also Vergnügen. Aber macht es auch glücklich? Ein wichtiger Bestandteil des Glücklichseins ist sicherlich ebenfalls ein gewisses Gefühl der Sinnhaftigkeit. Und da kommt das Kochen ins Spiel. Das Buch "Saved by Cake" stammt aus der Feder der irischen Autorin Marian Keyes. Sie schrieb es vor einigen Jahren, nachdem sie durch das Backen von Kuchen eine schwere Depression überwunden hatte. An den meisten Tagen hatte sie kaum die Kraft gefunden aus dem Bett aufzustehen. Bis sie mit dem Backen begann. Ihre Erfahrungen hielt sie in einem Blog fest: "Ich fing an Kuchen zu backen, denn ich war unfähig irgendetwas anderes zu tun und es beruhigte mich und rettete mich durch den Tag."

Für Psychologen ist eine solche Geschichte keine große Überraschung. Christina Bermeitinger ist Psychologie-Professorin an der Universität Hildesheim und hat als Resultat eines Projektes mit ihren Studenten das „Kochbuch der Gefühle" heraus gebracht. "Das Zubereiten, Teilen und Essen von selbst zubereiteten Gerichten ist so wertvoll", sagt sie, "weil es so viel Deckungsgleichheit mit dem gibt was uns menschlich sein lässt - zu lieben, zu planen, zu versorgen, zu genießen und zu teilen."

Hobbies wie Modellbau oder Gartenarbeit sind sicherlich entspannend und helfen dabei abzuschalten, Kochen dagegen hat so viel mehr zu bieten. "Es bereitet nicht nur Vergnügen", so Bermeitinger, "sondern ist quasi eine lebenswichtige Fähigkeit. Es ist elementar, man kümmert sich nicht nur um sich selbst sondern auch um andere."

Kombiniert man die skizzierten Aspekte mit der Erkenntnis, dass zuhause zubereitetes Essen tendenziell gesünder ist, dann haben wir damit den ernährungswissenschaftlich-psychologischen Jackpot geknackt. So will eine Studie der "Deutschen Gesellschaft für Ernährung" kürzlich heraus gefunden haben, dass in den eigenen vier Wänden zubereitetes Essen nicht nur gesünder, sondern auch verknüpft ist mit intensiveren, positiveren Emotionen.

Auch wenn sich dieses Studienergebnis nicht unbedingt auf einen gelungenen Abend mit Risotto alla Milanese und einem Glas Merlot aus der Toskana bei Ihrem Stammitaliener bezieht - ein Trend ist erkennbar. Gute Ernährung hat einen wesentlichen Einfluss auf unser körperliches und seelisches Wohlergehen. Schon der „Vater der Medizin" Hippokrates soll empfohlen haben, bei Depressionen Eselsmilch zu trinken. Natürlich werden sich bei niemandem wegen der falschen Ernährung gleich Angststörungen oder Depressionen einstellen. Aber die richtige Ernährung scheint eben doch ein wichtiger Faktor zu sein. Oder um es mit Hippokrates zu sagen: Die Eselsmilch ist im Zweifel vielleicht das Zünglein an der Waage. Denn dass Essen unbeschreiblich positive Emotionen auslösen kann, haben wir alle bereits beim ersten Schluck Milch unseres Lebens gemerkt.
4.1.18 17:04


Absichtlich verschollen in der Taiga

Die Taiga ist ein riesiger, schneebedeckter Wald in Sibirien und erstreckt sich über beinahe 5 Millionen eisige Quadratkilometer. 1978 wurde ein Team von Geologen entsandt, die in dieser Region nach Spuren von Eisenerz suchen sollten. Als man gerade nach einem Landeplatz für den Helikopter suchte, wies der Pilot das Team auf Spuren menschlicher Präsenz hin. Völlig unvorbereitet für diese Entdeckung machten sich die Geologen auf den Weg um heraus zu finden, wen es in diese unwirtliche Gegend verschlagen haben könnte. Vor Ort entdeckten sie eine kleine Hütte, deren einzige Lichtquelle ein winziges Fenster in der Größe eines Notizblocks war. 120 Kilometer von der nächsten Siedlung hatte man tatsächlich eine menschliche Behausung entdeckt.

Als sie sich der Hütte näherten trat ihnen ein sehr alter Man entgegen, am Leib nichts weiter als ein Stück Sacktuch. "Wo Sie schon einmal da sind treten Sie doch ein", rief er den Geologen mit zittriger Stimme entgegen. Die beengte Behausung erwies sich als kalt, dunkel und verwahrlost. Dennoch traf man auf fünf Menschen die hier lebten.

Der Name des alten Mannes war Karp Lykov. Es stellte sich heraus, dass er einer orthodoxen Splitter-Gruppe namens „die alten Gläubigen“ angehörte. Angehörige dieser Glaubensgemeinschaft waren bereits in den Tagen des Zaren Peter der Große verfolgt worden.
Eben deshalb waren Karp und seine Familie 1936 nach Sibirien geflohen, nachdem eine kommunistische Patrouille Karps Bruder erschossen hatte. Zu dieser Zeit hatten er und seine Frau einen 9jährigen Sohn und eine zweijährige Tochter.

Während ihres Exils in der Taiga kamen zwei weitere Kinder hinzu: Agafia und Dmitry. Keiner von ihnen hatte jemals Kontakt mit anderen Menschen bevor die Geologen sie fanden.
Wie sich heraus stellte, war die Familie dem Hungertod ein paar Mal nur knapp entronnen. Auf die Jagd gehen konnten sie erst spät in der 1950er Jahren, als Dmitry alt genug für diese Aufgabe war. Aber selbst dann war er ohne jegliche Waffe oder sonstige Hilfsmittel darauf beschränkt Fallen zu bauen oder mit den bloßen Händen zu jagen. Im Jahr 1961 zwang ein außergewöhnlich kalter Sommer die Familie dazu sich lediglich von Baumrinde zu ernähren. Karps Frau Akulina verstarb in dieser Zeit an Unterernährung.

Die sowjetischen Geologen machten die Familie vorsichtig mit wichtigen Geschehnissen der letzten 40 Jahre, wie beispielsweise dem 2. Weltkrieg, vertraut. Ebenso vorsichtig führte man sie an neuzeitliche Gebrauchsgegenstände wie Fernseher oder Handys heran. Dmitry besuchte in der Folge mehrere Male das Camp der Geologen, um sich das Sägewerk anzusehen.

Dennoch gelang es nicht die Familie davon zu überzeugen, die ihnen so vertraute Umgebung zu verlassen, die Lykov Familie entschied sich für den Verbleib in der Taiga. Leider nicht ohne Folgen, denn 1981 verstarben zwei der Kinder an Nierenversagen, ein weiteres erlag einer Lungenentzündung.

Auch weitere Apelle verhallten ungehört, Karp und seine Tochter Agafia ließen sich auch danach nicht zu einer Rückkehr in die menschliche Zivilisation überreden. Karp starb 1988 einen friedlichen Tod in seiner kleinen Hütte. Kein anderes Leben kennend entschied sich Agafia zu einem Leben in Einsamkeit in der Taiga. Das letzte Mitglied des Lykov Clans lebt dort bis heute.
19.12.17 14:09


In 80 Weihnachtsgerichten um die Welt

Fragt man Menschen was sie mit Weihnachten in Verbindung bringen hört man sicherlich sehr unterschiedliche Aussagen, aber eine Antwort zieht sich wie ein roter Faden in verschiedenen Variationen durch die vorgebrachten Weihnachtsassoziationen: Weihnachten ist die Zeit, in der sich die Familie an einem großen Tisch trifft um ein festliches Mahl zu genießen. Viel Auswahlspielraum für den Küchenchef bleibt dabei zumeist nicht, denn es ist auch die Zeit der vielfach unumstößlichen Traditionen. Die kulinarischen Weihnachtsgrundregeln sind dabei je nach Region bzw. Land sehr unterschiedlich. Es ist an der Zeit sich diese Essensbräuche vom Galicischen Kabeljau bis zu den Mexikanischen Romeritos mal genauer anzusehen.

In Spanien sind Meeresfrüchte, Kohl, Lamm, Nougat, Nüsse und getrocknete Früchte die meistgenannten Zutaten der regionalen Weihnachtsmenüs. Die Spezialitäten hängen hingegen stark vom jeweiligen Landesteil ab. So ist beispielsweise im nordöstlichen Aragonien die Distel der Star des Abends und wird mit Mandel- oder Béchamelsauce serviert. In anderen Regionen genießt man mit viel großmütterlicher Liebe und Geduld zubereitete Schnecken, Kabeljau mit Blumenkohl oder die baskische Intxaursalsa, eine süßliche Suppe verfeinert mit Nüssen.

In Norwegen macht man zur Weihnachtszeit keine halben Sachen und serviert ein Gericht namens "Ribbe", angebratener Speck zusammen mit sehr pikanten Würstchen, Fleischbällchen, Kartoffeln und Sauerkraut. Wem diese opulente Fleischparade zu viel ist, der serviert zum Fest "Lutefisk", gebackenen Trockenfisch mit Kartoffeln, Speck, Erbsenbrei, Senf und je nach Region immer auch mal wieder mit Blumenkohl garniert.
Den Magen räumt man danach mit dem klassischen skandinavischen Weihnachtsdrink schlechthin auf - dem Aquavit, einer landesweit beliebten Spirituose aus sehr reinem Alkohol landwirtschaftlichen Ursprungs, die mit ihren Bestandteilen Kümmel, Anis, Dillsamen, Fenchel und Koriander garantiert alle Geister wiederbelebt.

Eines der Länder mit den meisten und ältesten Weihnachtstraditionen ist Polen. Hier bereiten viele Familien zu Ehren der zwölf Apostel zum Weihnachtsfest gleich zwölf Festmahlsgänge zu. Je mehr Rezepte in einem Haus gekocht werden, so glaubt man, desto besser wird es der darin lebenden Familie später ergehen. Ganz wichtig ist auch, dass tatsächlich später von jedem Gericht gegessen wird - und sei es nur ein kleiner Löffel voll. Schöne Geste in bester weihnachtlicher Manier: Ein Platz in der geselligen Runde bleibt immer frei - für den Fall dass noch ein unerwarteter, vielleicht mittelloser Gast auftauchen sollte.
Eröffnet wird die Festtafel mit Weihnachtsoplaten. Während man sich gegenseitig alles Gute wünscht und Umarmungen austauscht, werden diese Oplaten als Symbol des Friedens und der Freundschaft mit allen anderen geteilt und gegessen. Ein wesentlicher Bestandteil des polnischen Weihnachtsessens ist Fisch, insbesondere Karpfen, der von vielen Familien lebendig gekauft wird und die Zeit bis zum Heiligen Abend zur Freude der Kinder in der Badewanne verbringt. Verspeist wird der Fisch angemacht mit Zwiebeln und Olivenöl, dazu werden Kartoffeln, Teigtaschen mit Sauerkraut-Pilzfüllung, Pilze, Erbsen und Bohnen gereicht.

In den USA gleicht das Weihnachtsessen doch stark dem Thanksgiving Menü: Truthahn ist Trumpf, meist gefüllt mit leckeren Füllungen aus Aprikosen, Zwiebeln, Speck oder Apfel und beinahe immer begleitet von Kartoffelpüree, Cranberry Sauce und Bohnen. Das traditionelle Weihnachtsgetränk ist ein Eggnog, ein rum- oder brandybasierter Longdrink mit Ei und Milch oder Sahne, der mit Vanille und Zimt veredelt wird. Und falls am Ende noch etwas reinpasst wird der Weihnachtsschmaus durch einen traditionell zubereiteten Apfel- oder Kürbiskuchen abgerundet.

In Mexiko schließlich genießen die Romeritos aus dem Süden des Landes zunehmende Popularität. Die Zweige dieser Rosmarin ähnlichen Pflanze werden zusammen mit kleinen Kuchen aus Shrimppulver serviert, dazu gibt es Kartoffeln, Mandeln und Chilischoten. Die Desserts genießt man später zusammen mit Getränken die noch in der Tradition der alten Azteken angerührt werden: Der Champurrado ist eine heißes mexikanisches Maisgetränk, veredelt mit dunkler Schokolade und Zimt.

In Deutschland ist das beliebteste Gericht zu Weihnachten übrigens nach wie vor Würstchen mit Kartoffelsalat. Vielleicht ist es ja an der Zeit sich den kulinarischen Traditionen anderer Länder zu öffnen. Denn es scheint als könnten wir dabei nur gewinnen.

12.12.17 14:25


Was macht guten Journalismus aus?

Wenn man sich einmal in der Branche umsieht, dann könnte man meinen, dass sich der Journalismus gerade neu erfindet. Denn während sich viele junge Journalistinnen und Journalisten die Frage stellen, welche Zukunft sie in ihrem Job wohl erwartet, eröffnen sich abseits des traditionellen Journalismus zahlreiche Wege, die noch vor wenigen Jahren kaum denkbar schienen.

Die Medien verändern sich und mit ihnen der journalistische Alltag, dessen neuartige Arbeitsabläufe auch das Berufsbild des Journalisten verändern. Der Weg über den klassischen Artikel ist oftmals zu behäbig und zwingt viele Journalisten zum formloseren "Bloggen". Auch selbst wird oft ein eigener Blog betrieben, die freie Software WordPress und fundierte Anleitungen zur Installation von WordPress machen es möglich. Das digitale Zeitalter verändert den Journalismus und wirft oftmals auch die herausfordernde Frage nach dem Verhältnis von Qualität und Quantität auf.

Herausforderungen und Chancen des digitalen Zeitalters


Dieser Herausforderung sollen und müssen sich Journalisten stellen, denn schließlich steht die digitale Revolution nicht nur für einige zusätzliche Stressfaktoren, sondern vor allem auch für das größte Publikum der Menschheitsgeschichte. Niemals zuvor hatten journalistische Inhalte eine größere Reichweite. Mit der Größe der Leserschaft ist gleichzeitig das Bedürfnis nach gutem, seriösem und aufklärendem Journalismus gewachsen.

Und damit ist eines klar: Auch im digitalen Zeitalter mit seinen raffinierten Möglichkeiten sind Journalisten keineswegs von den klassischen Methoden journalistischer Recherchearbeit entbunden. Internet und E-Mail können das persönliche Gespräch mit Informationsquellen nicht ersetzen. Und eine gründliche Dokumentation erst recht nicht.

Qualität kommt von Qual
 
Was aber macht guten Journalismus abseits dieser formalen Kriterien aus und kann man überhaupt objektive Bewertungskriterien entwickeln? Eines ist jedenfalls sicher – Journalisten müssen, wenn sie gut sein wollen, dorthin gehen, wo bisher noch niemand war. Sie müssen Pioniere und vor allem festen Willens sein, unbeirrbar weiter zu machen, egal wie viele Steine ihnen plötzlich im Weg liegen. Denn auch wenn der Satz „Qualität kommt von Qual" bereits ganz schön abgegriffen ist, so ist er doch vollkommen richtig. Für belanglosen Journalismus und Artikel, die man morgen schon wieder vergessen hat, muss man sich nicht quälen. Für guten Journalismus schon. Dafür wird der Journalist sein Bestes und vor allem etwas in die Waagschale werfen müssen, das eigentlich keiner hat – viel Zeit. Abgesehen davon, dass sich fast alle gängigen Organisationsstrukturen und mit ihnen u. a. auch das Redaktionsmanagement verändert haben, bleibt es prinzipiell bei den zeitaufwändigeren Darstellungsformen, die sich für Journalisten bewährt haben: Der Reportage, dem Hintergrundartikel, dem Kommentar oder dem Interview.

Pressefreiheit und Qualitätsjournalismus

Eine der wertvollsten Errungenschaften der westlichen Welt und gleichzeitig eine der wichtigsten Säulen unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung ist die Pressefreiheit. Qualitätsjournalismus ist die höchste Form der Wahrnehmung dieses Grundrechts. Denn er zeigt, dass man verstanden hat, welch vornehme journalistische Aufgabe mit der Pressefreiheit einhergeht. Wenn Journalisten dieser Aufgabe nicht mehr nachkommen können – oder schlimmer – nicht nachkommen wollen, dann ist die Pressefreiheit nichts weiter als ein zahnloser Tiger bzw. ein Relikt, das man zwar ob seiner Schönheit bestaunen kann, das aber eben doch nur ein Relikt ist. Die Forderung nach einem größeren Angebot von gutem Journalismus unterstreicht damit zugleich das Bestreben, dem Verflachen redaktioneller Arbeit durch zu großen Renditedruck entgegenzuwirken. Wenn Journalisten nur noch Massencontent als Füllmaterial für Zeitungs- oder Internetseiten produzieren, wozu braucht es dann noch eine grundrechtlich garantierte Pressefreiheit?

Journalistische Kernkompetenzen
 
Viele Journalisten würden auf die Frage nach einem wesentlichen Merkmal für guten Journalismus wahrscheinlich mit dem Hinweis auf Unabhängigkeit bzw. Überparteilichkeit antworten. Und damit hätten sie natürlich Recht – ein guter Journalist sollte sich im Idealfall als neutraler Informationsvermittler verstehen.

Was aber, wenn der Druck zunimmt? Wenn die eigene wirtschaftliche Situation bedrohlich wird? Wenn es Gegenwind von Kolleginnen und Kollegen gibt? Wenn die politischen Verhältnisse kippen und man mit seiner Arbeit plötzlich auf ziemlich viele bedeutsame Zehen treten könnte?

Dann zeigt sich, dass man das Wichtigste verstanden hat, das es über guten Journalismus zu verstehen gibt: Man lässt sich auf keinen Fall einschüchtern! Mutet das im wohlbehüteten Westen, wo vielleicht einmal im Konfliktfall eine berufliche Repression hingenommen werden muss, noch relativ unspektakulär an, gewinnt das Gewahrwerden dieser journalistischen Kernkompetenz in Ländern, in denen unliebsame Berichterstatter den Besuch von Killerschwadronen fürchten müssen, eine ganz andere Dimension.

Guter Journalismus braucht Ausdauer
 
Jeder kann sich an große Stunden des Journalismus erinnern. Zumeist waren das die Zeiten, in denen Skandale aufgedeckt wurden, an die sich heute noch jeder erinnern kann. In diesen Zeiten hat der Journalismus das geleistet, was von ihm verlangt werden darf: Er ist im Rahmen seiner grundgesetzlich verankerten Pressefreiheit den Mächtigen gefährlich geworden, hat entdeckt, enthüllt, aufgeklärt. Aber das sind nur vorübergehende punktuelle Highlights. Guten Journalismus brauchen wir auch dann, wenn es gerade keinen Steuer- oder Spendenskandal zu enthüllen gibt. Die Medien sollten ihn sich leisten, denn er ist das Beste, was aus der Pressefreiheit erwachsen kann. Und er wird sich auf Dauer durchsetzen.
10.11.17 08:50


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