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28.2.18 12:11


Ein Hoch auf die Kinder!

Das Sozialstaatsprinzip gehört zu den Grundsäulen der deutschen Rechtstaatlichkeit. Es soll sicherstellen, dass in diesem Land niemand verhungern oder auf der Straße leben muss. Es sorgt auch dafür, dass so mancher die Notwendigkeit einer geregelten Arbeit nachzugehen nicht mehr als ganz so dringlich erachtet. Die Bürger vieler anderer Staaten auf der Welt beneiden uns um diese segensreiche Errungenschaft. Manche reisen von weit her an um sich das Ganze mal aus der Nähe anzusehen.
Die Finanzierung des deutschen Sozialstaats kostet inzwischen mehr als eine Billion Euro im Jahr, zeigt eine neue Studie. Das sind 30 Prozent des Bruttoinlandproduktes.

Die GroKo, so sie denn kommt, will hier noch draufsatteln. Als ich das hörte bin ich sofort raus auf die Straße und habe allen Kindern in der Nachbarschaft die Hände gedrückt. Die sollen das ja mal alle für mich bezahlen, da ist es wichtig, sich mit den Kleinen gut zu stellen. Dass die Racker später mal keine Rente mehr bekommen, weil die GroKo jetzt auch noch den Rest der Rentenkasse plündern will und gar nicht daran denkt, Rücklagen für die älter werdende Bevölkerung aufzubauen, habe ich den Kleinen aber nicht gesagt. Man darf die künftigen Beitragszahler ja nicht verschrecken. Das macht schon die GroKo.

Übrigens: Der wissenschaftliche Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums hat im letzten Jahr schon mal vorsorglich die Entwicklung der Sozialversicherungsbeiträge errechnet – da sind die teuren Pläne der GroKo allerdings noch nicht enthalten. Rechnen dürfen wir als absolutes Mindestmaß mit den folgenden Sätzen:

- Aktuell: 39,94 Prozent.
- Anstieg bis 2030 auf 44,8 Prozent.
- 2040: 54 Prozent.

Also ich finde die Kleinen in meiner Straße – die muss ich doch einfach lieb haben, oder?
22.1.18 10:27


14.1.18 12:19


Wenn Glück durch den Magen geht

In den zurückliegenden Weihnachtsfeiertagen dürfte wie jedes Jahr in den allermeisten Haushalten dieser Nation das Essen eine entscheidende Rolle gespielt haben. Nicht nur das Weihnachtsmahl ist für viele mit ganz besonderen Erinnerungen und Gefühlen verbunden. In seinem Werk "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" lässt Autor Marcel Proust den Erzähler davon berichten, wie eine in Tee getunkte Madeleine ungeahnte Glückgefühle frei setzen kann, wenn man nach einem zermürbenden Tag entkräftet nach Hause zurückkehrt. Dabei ist es gar nicht so sehr der süße Geschmack des französisches Feingebäcks, sondern die dadurch ausgelöste Erinnerung an seine Jugend und die Sonntagmorgende bei seiner Tante auf dem Land, die eben jene Glücksgefühle auslösen. Ein schönes Beispiel dafür wie Essen uns glücklich machen kann.

Geschmack ist ein sehr effizienter Katalysator für Erinnerungen. Erdbeeren lassen uns vielleicht an einen ganz besonderen Sommer, der Sonntagsbraten an eine unterhaltsame Familiengeschichte und der Geburtstagskuchen an ein eindrückliches Erlebnis aus der Kindheit zurückerinnern. Der "unfreiwillige Moment der Erinnerung", wie Proust ihn bezeichnet, kann zumindest teilweise auch durch unbewusste mentale Prozesse erklärt werden, wenn es nach der Geruchsforschung geht. Die will nämlich heraus gefunden haben, dass Geruch der maßgeblichste Sinneseindruck bei der Wahrnehmung guten Geschmacks ist und im Gehirn, anders als andere Sinneseindrücke, starke emotionale Reaktionen und Erinnerungsprozesse in Gang setzt.

Natürlich ist es hilfreich, dass die weiter oben erwähnten Speisen im Regelfall sehr gut schmecken. "Leckeres Essen ist einer der universalsten Wege zu reinem Vergnügen", lautet die These des renommierten Psychologen Morten Kringelbach, der sich an der Oxford Universität bereits seit einiger Zeit mit der Neurowissenschaft des Glücklichseins beschäftigt. Das Essen stellt aus diesem Grund die Basis der meisten wissenschaftlichen Experimente dar, die versuchen zu ergründen warum sich gerade dabei dieses warme, kaum zu beschreibende Gefühl der Wohlergehens einstellt. Vergnügen wird dabei immer als eine essentielle Komponente des Glücklichseins angesehen: Der Anblick wohlschmeckender Speisen regt das Belohnungssystem an, die Dopaminausschüttung erzeugt eine verlangende Erwartungshaltung. Wenn wir dann schließlich tatsächlich essen werden körpereigene Opiate, quasi von unserem Gehirn produzierte Drogen ausgeschüttet.

So schön sie auch sein mögen, diese Glücksgefühle sind nur temporär und wer in Erwägung ziehen sollte sich durch die permanente Zufuhr von Kuchen und Junk Food in einen permanenten Sinnesrausch zu versetzen, der riskiert damit die Entstehung einer unkontrollierbaren Fresssucht und von - Schuldgefühlen. Ja tatsächlich. Es sei unser Wissen um diese Lebensmittel und ihre Wirkung auf uns, die uns letztlich nach dem Rausch einen emotionalen Dämpfer verpassen. Das jedenfalls wollen Psychologen der Universität Cardiff herausgefunden haben, die einer Testgruppe in England über einen Zeitraum von zehn Tagen jeweils Chips und Schokocrossies zur klassischen Five-o-clock Teetime reichte, während die andere Testgruppe Obst erhielt. Am Ende zeigte sich die Chips Gruppe müder und gereizter, während die Obst Gruppe weniger anfällig für emotionalen Stress zu sein schien.

Aber mal ganz abgesehen von diesen Gewissensfragen ist es einfach auch eine erwiesene Tatsache, dass eine ausgewogene Ernährung natürlich gesünder für uns ist. Ballaststoffe fördern beispielsweise in verschiedener Hinsicht die Verdauung. Vitamin B12, welches wir mit Fleisch, Fisch, Käse und Eiern aufnehmen, sorgt für die Aufrechterhaltung wichtiger Gehirnfunktionen auch im hohen Alter. Defizite dieses Vitamins konnte man bereits mit dem Hang zu Depressionen in Verbindung bringen.

Gutes, gesundes Essen bereitet also Vergnügen. Aber macht es auch glücklich? Ein wichtiger Bestandteil des Glücklichseins ist sicherlich ebenfalls ein gewisses Gefühl der Sinnhaftigkeit. Und da kommt das Kochen ins Spiel. Das Buch "Saved by Cake" stammt aus der Feder der irischen Autorin Marian Keyes. Sie schrieb es vor einigen Jahren, nachdem sie durch das Backen von Kuchen eine schwere Depression überwunden hatte. An den meisten Tagen hatte sie kaum die Kraft gefunden aus dem Bett aufzustehen. Bis sie mit dem Backen begann. Ihre Erfahrungen hielt sie in einem Blog fest: "Ich fing an Kuchen zu backen, denn ich war unfähig irgendetwas anderes zu tun und es beruhigte mich und rettete mich durch den Tag."

Für Psychologen ist eine solche Geschichte keine große Überraschung. Christina Bermeitinger ist Psychologie-Professorin an der Universität Hildesheim und hat als Resultat eines Projektes mit ihren Studenten das „Kochbuch der Gefühle" heraus gebracht. "Das Zubereiten, Teilen und Essen von selbst zubereiteten Gerichten ist so wertvoll", sagt sie, "weil es so viel Deckungsgleichheit mit dem gibt was uns menschlich sein lässt - zu lieben, zu planen, zu versorgen, zu genießen und zu teilen."

Hobbies wie Modellbau oder Gartenarbeit sind sicherlich entspannend und helfen dabei abzuschalten, Kochen dagegen hat so viel mehr zu bieten. "Es bereitet nicht nur Vergnügen", so Bermeitinger, "sondern ist quasi eine lebenswichtige Fähigkeit. Es ist elementar, man kümmert sich nicht nur um sich selbst sondern auch um andere."

Kombiniert man die skizzierten Aspekte mit der Erkenntnis, dass zuhause zubereitetes Essen tendenziell gesünder ist, dann haben wir damit den ernährungswissenschaftlich-psychologischen Jackpot geknackt. So will eine Studie der "Deutschen Gesellschaft für Ernährung" kürzlich heraus gefunden haben, dass in den eigenen vier Wänden zubereitetes Essen nicht nur gesünder, sondern auch verknüpft ist mit intensiveren, positiveren Emotionen.

Auch wenn sich dieses Studienergebnis nicht unbedingt auf einen gelungenen Abend mit Risotto alla Milanese und einem Glas Merlot aus der Toskana bei Ihrem Stammitaliener bezieht - ein Trend ist erkennbar. Gute Ernährung hat einen wesentlichen Einfluss auf unser körperliches und seelisches Wohlergehen. Schon der „Vater der Medizin" Hippokrates soll empfohlen haben, bei Depressionen Eselsmilch zu trinken. Natürlich werden sich bei niemandem wegen der falschen Ernährung gleich Angststörungen oder Depressionen einstellen. Aber die richtige Ernährung scheint eben doch ein wichtiger Faktor zu sein. Oder um es mit Hippokrates zu sagen: Die Eselsmilch ist im Zweifel vielleicht das Zünglein an der Waage. Denn dass Essen unbeschreiblich positive Emotionen auslösen kann, haben wir alle bereits beim ersten Schluck Milch unseres Lebens gemerkt.
4.1.18 17:04


Absichtlich verschollen in der Taiga

Die Taiga ist ein riesiger, schneebedeckter Wald in Sibirien und erstreckt sich über beinahe 5 Millionen eisige Quadratkilometer. 1978 wurde ein Team von Geologen entsandt, die in dieser Region nach Spuren von Eisenerz suchen sollten. Als man gerade nach einem Landeplatz für den Helikopter suchte, wies der Pilot das Team auf Spuren menschlicher Präsenz hin. Völlig unvorbereitet für diese Entdeckung machten sich die Geologen auf den Weg um heraus zu finden, wen es in diese unwirtliche Gegend verschlagen haben könnte. Vor Ort entdeckten sie eine kleine Hütte, deren einzige Lichtquelle ein winziges Fenster in der Größe eines Notizblocks war. 120 Kilometer von der nächsten Siedlung hatte man tatsächlich eine menschliche Behausung entdeckt.

Als sie sich der Hütte näherten trat ihnen ein sehr alter Man entgegen, am Leib nichts weiter als ein Stück Sacktuch. "Wo Sie schon einmal da sind treten Sie doch ein", rief er den Geologen mit zittriger Stimme entgegen. Die beengte Behausung erwies sich als kalt, dunkel und verwahrlost. Dennoch traf man auf fünf Menschen die hier lebten.

Der Name des alten Mannes war Karp Lykov. Es stellte sich heraus, dass er einer orthodoxen Splitter-Gruppe namens „die alten Gläubigen“ angehörte. Angehörige dieser Glaubensgemeinschaft waren bereits in den Tagen des Zaren Peter der Große verfolgt worden.
Eben deshalb waren Karp und seine Familie 1936 nach Sibirien geflohen, nachdem eine kommunistische Patrouille Karps Bruder erschossen hatte. Zu dieser Zeit hatten er und seine Frau einen 9jährigen Sohn und eine zweijährige Tochter.

Während ihres Exils in der Taiga kamen zwei weitere Kinder hinzu: Agafia und Dmitry. Keiner von ihnen hatte jemals Kontakt mit anderen Menschen bevor die Geologen sie fanden.
Wie sich heraus stellte, war die Familie dem Hungertod ein paar Mal nur knapp entronnen. Auf die Jagd gehen konnten sie erst spät in der 1950er Jahren, als Dmitry alt genug für diese Aufgabe war. Aber selbst dann war er ohne jegliche Waffe oder sonstige Hilfsmittel darauf beschränkt Fallen zu bauen oder mit den bloßen Händen zu jagen. Im Jahr 1961 zwang ein außergewöhnlich kalter Sommer die Familie dazu sich lediglich von Baumrinde zu ernähren. Karps Frau Akulina verstarb in dieser Zeit an Unterernährung.

Die sowjetischen Geologen machten die Familie vorsichtig mit wichtigen Geschehnissen der letzten 40 Jahre, wie beispielsweise dem 2. Weltkrieg, vertraut. Ebenso vorsichtig führte man sie an neuzeitliche Gebrauchsgegenstände wie Fernseher oder Handys heran. Dmitry besuchte in der Folge mehrere Male das Camp der Geologen, um sich das Sägewerk anzusehen.

Dennoch gelang es nicht die Familie davon zu überzeugen, die ihnen so vertraute Umgebung zu verlassen, die Lykov Familie entschied sich für den Verbleib in der Taiga. Leider nicht ohne Folgen, denn 1981 verstarben zwei der Kinder an Nierenversagen, ein weiteres erlag einer Lungenentzündung.

Auch weitere Apelle verhallten ungehört, Karp und seine Tochter Agafia ließen sich auch danach nicht zu einer Rückkehr in die menschliche Zivilisation überreden. Karp starb 1988 einen friedlichen Tod in seiner kleinen Hütte. Kein anderes Leben kennend entschied sich Agafia zu einem Leben in Einsamkeit in der Taiga. Das letzte Mitglied des Lykov Clans lebt dort bis heute.
19.12.17 14:09


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