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Gesellschaftlicher Kleister gesucht

Die Gesellschaft steuert geradewegs auf eine Zerreißprobe ungeheuren Ausmaßes zu. Die etwas unklare Bezeichnung „Gesellschaft" ist absichtlich gewählt, weil sich diese Zerreißprobe meines Erachtens nach nicht auf ein bestimmtes Land konzentrieren, sondern recht universal ausfallen wird. Eine immer wichtiger werdende Rolle spielt dabei das Instrument der Meinungsmache und –manipulation. Sehr schön ablesen lässt sich das momentan an den (un-)Vereinigten Staaten.

Trump – alleine der Ausspruch des Namens reicht, um ein Augenrollen, ein Knurren oder gleich einen mittleren Wutanfall auszulösen. Eine polarisierendere politische Figur hat es in den 30 Jahren kaum gegeben. Die Ursache dafür ist sicherlich in seiner exzentrischen Persönlichkeit, verbalen Ausfällen und seinem nicht immer besonders staatsmännisch wirkenden Auftreten zu suchen. Inzwischen ist er in der öffentlichen Wahrnehmung zu einem messerschwingenden Faschisten mutiert, der die Freiheitsstatue vergewaltigt.

Bei aller berechtigten Aufregung über vergangene Worte und markige Sprüche muss man sich doch fragen, ob damit noch in irgendeiner Art und Weise Maß gehalten wird. Bill O’Reilly ließ vor einer Woche in der Fox News Sendung „The O’Reilly Factor" an der Mainstream Berichterstattung über Trump kein gutes Haar, die Schwelle zur tendenziösen Berichterstattung sei lange überschritten, man habe es inzwischen mit handfesten Lügen zu tun. Was war passiert? Trump hatte 680 illegale Immigranten deportieren lassen, allesamt wegen mindestens einem Verbrechen verurteilte Straftäter. Und was machte die Presse daraus? Sie stellte eben jene Immigranten Gruppe als unschuldige Menschen dar, deren Vorsatz durch ehrliche Arbeit ihren Lebenstraum zu verwirklichen soeben von Trump zerstört wurde.

Man fragt sich zudem wo dieselbe Presse war, als Amtsvorgänger Obama, der unter Immigranten übrigens als der "Deporter-in-Chief" (also als „Oberbefehlshaber der Deportierer" ) berüchtigt war, 2,5 Millionen Menschen während seiner Amtszeit deportieren ließ – die meisten davon übrigens ohne jegliche Vorstrafen. Vielleicht war es ja die Angst vor dem Ex-Commander-in-Chief, die sie schweigen ließ, denn ein genau solches Klima herrschte damals, schon vergessen? Ein Spiegel Online Artikel vom 10.10.2013 begann so: "US-Journalisten sehen die Pressefreiheit in ihrem Land in Gefahr. Eine Studie führt Repressalien auf, Überwachung, Strafverfolgung und Blockaden. Seit Richard Nixon habe sich kein Präsident so aggressiv verhalten wie Barack Obama (http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-pressefreiheit-obamas-regierung-schafft-ein-klima-der-angst-a-927001.html).

Das Schlimme ist, dass die meisten solche Fakten nicht interessieren, schließlich könnten sie ihr Feindbild zerstören. Ohne ein solches scheint man irgendwie nicht mehr auszukommen. Das sieht aber in den meisten Fällen genauso plakativ-zweidimensional aus, wie die Nazis in den Indiana Jones Filmen. Hier die Guten, da die Schlechten. Dabei war die Idee des Liberalismus ursprünglich eine gute Idee. Nach dem zweiten Weltkrieg versuchten die meisten westlichen Länder die liberale Idee quasi als Impfstoff gegen den Faschismus als tragende gesellschaftliche Säule zu integrieren. Eine Gesellschaft wird aber nie wirklich gesund sein, wenn es in ihr nicht möglich ist, auf gleicher Augenhöhe widerstreitende Standpunkte zu vertreten und sachlich zu diskutieren. Denn nur eine solche Streitkultur kann dazu beitragen, dass sich Standpunkte weiter entwickeln, korrigiert und auf ihre Stichhaltigkeit überprüft werden. Die Unterschiedlichkeit von Ansichten bewirkt also einen produktiven Prozess, der den gesellschaftlichen Unterbau stärkt und gleichzeitig dafür sorgt, dass eine solche Gesellschaft besser und flexibler mit Veränderungen umgehen kann.

In der Realität erleben wir aber leider das genaue Gegenteil. Es gab mal eine Zeit, da wurden am wöchentlichen Stammtisch politische Überzeugungen und Meinungen einer gründlichen und lautstarken Überprüfung unterzogen. Heute dient die Floskel von der „Stammtisch Parole" nur noch dazu, Volkes Stimme verächtlich zu machen. Wähler mit der falschen Meinung müssen sich dann auch schon mal die Bezeichnung „Pack" gefallen lassen oder man erklärt einfach die ganze Bevölkerung zum Problem, wie das unser letzter Bundespräsident tat. Klimaforscher, die aufgrund für jeden überprüfbarer Fakten das gängige Klimamodell in Frage stellen, sollten ebenfalls vorsichtig agieren – es könnte nämlich sein, dass sie sich nach der Äußerung ihrer Ansicht zukünftig als Pizzabote verdingen müssen. Um die eigene Karriere zu zerstören reicht es nämlich bereits, ganz einfach der veröffentlichten Meinung zu widersprechen. Für den Rest sorgt das wiederauferstandene Denunziantentum. Oder aber gleich unverhohlene Morddrohungen, wie beispielsweise kürzlich an Mitarbeiter der Hotelkette Maritim, weil diese der AfD Räume zur Verfügung stellte.

Das hat mit Demokratie nichts mehr zu tun. Das ist Tyrannei. Unter dem Deckmantel der freien Rede entwickeln viele westliche Staaten im Augenblick regelrecht faschistische Züge, die nur eine Meinung als die „richtige" erlauben. Aber wenn absolute Macht absolut korrumpiert, dann war das wohl zu erwarten. „Das Dichten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf" heißt es in Genesis 8, 21 und das betrifft uns alle. Für die herrschende Klasse (soweit man davon überhaupt reden kann, denn eigentlich regiert in einer Demokratie das Volk) bedeutet das die Notwendigkeit der ständigen Überprüfung durch eine unabhängige und freie Presse. Die hat sich dem Meinungsdiktat aber leider inzwischen auch vollkommen ergeben und bis auf sehr wenige Ausnahmen erleben wir eine völlig gleichgeschaltete Berichterstattung und mithin das grandiose Scheitern der ursprünglich angedachten Kontrollfunktion.

Zum Wohle unseres Landes hoffe und bete ich, dass man den Wert der Unterschiedlichkeit wieder verstehen lernt. Hetze, Verleumdung und Denunziation bringen den Faschismus zurück, nicht Trump. Meinungen (oder sogar die Realität) zu unterdrücken ist kontraproduktiv und wird früher oder später zu einer unkontrollierten Entladung führen. Meinungen müssen in öffentlichen Debatten unter Zuhilfenahme sachlicher Gegenargumente „geschliffen", Missstände offen angesprochen werden dürfen. Die Stigmatisierung und Ausgrenzung anders Denkender schwächt den Zusammenhalt einer Gesellschaft, sie begünstigt Radikalisierung. Möge uns das erspart bleiben. Nur so werden wir die Zerreißprobe überstehen.

 

2.3.17 09:58
 


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