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Das Ende der Realität – FarmVille im Supermarkt

FarmVille steigt aus… dem Internet, in den Supermarkt. Dass die Grenze zwischen virtuellem Raum und Einsteinuniversum nicht hinreichend klar durch Schuko-Stecker und An/Aus-Schalter definiert ist, sollte uns spätestens klar sein, seit vor ein paar Jahren die ersten Ostasiaten vor ihrem Bildschirm an Erschöpfung gestorben sind und das private Hausfrauenfernsehen seine ZuschauerINNEn gegen die vielleicht vermeintliche, aber vermeintlich fatale Internetsucht ihrer Kinder sensibilisiert hat.


Wer an dieser Stelle dachte “Realitätsverlust, Eskapismus, Nerd”, wird vor allem bei Ersterem schwer zu schlucken haben, wenn er demnächst eine Filiale der internationalen Supermarktkette 7-eleven besuchen sollte. Dort nämlich wird er neben Produkten aus der Region auch solche aus FarmVille finden können. Marmelade, Brot, Butter, Milch von nicht unbedingt glücklichen, aber virtuellen Kühen?
Nein. Wie allgemein üblich, wird hier echte Milch von echten Kühen verkauft. Wie ebenfalls üblich, versucht man über die Bindung an einen passenden Bezugspunkt die Aufmerksamkeit zu erhöhen – eine Win-Win-Situation für Zynga, den Eigentümer von FarmVille, und den entsprechenden Lebensmittellieferanten. Alles Üblichkeiten, alles also halb so wild?
Wieder: Nein. Denn zum ersten Mal greift hier ein Online-Spiel so umfassend in die Produktpalette “Täglicher Bedarf” ein. Auch wenn Papp- und Plastikaufsteller von Orks und Halo-Soldaten mittlerweile zur Grundausstattung von Videotheken und Games-Abteilungen gehören und jeder seine persönlichen Spielpräferenzen über Schlüsselanhänger, Kuscheltierchen und PC-/Konsolengehäuse aller Welt kundtun kann, ist ein so umfassendes Merchandising bisher nicht bekannt. Natürlich bietet sich FarmVille hierfür an; für den Verkauf von Streitäxten und verzauberten Rüstungen dürfte sich eine weitaus kleinere Zielgruppe finden als für Eier und Ketchup. Dennoch werden wir hier vielleicht Zeugen der Aufstellung eines Meilensteines auf dem Weg der Online-Games zur Weltherrschaft. Wer das Spiel liebt, muss seine kleine Farmwelt nun nicht einmal mehr beim Einkaufen verlassen. Wer das Spiel hasst – und das tun ja einige Facebooker – hat Pech. Zur Erinnerung: die Rede ist nicht von Schulranzen, sondern von Lebensmitteln in der größten Einzelhandelskette der Welt.
Ist das schlimm? Nö. Aber bemerkenswert. Und ein fast genialer Zug, neben den ebenfalls erhältlichen, weil fast obligatorischen Geschenkartikeln wie kleinen Wassertürmchen oder Kühen auch wirklich Notwendiges anzubieten, zumal der Zusammenhang von Spiel und Merchandising so stimmig ist. Umgekehrt ist das ja nichts Neues; In-Game Produktplatzierung gab es schon mittels Bandenwerdung in den ersten Teilen von WipEout vor gefühlten 50 Jahren. Nun ist es aber etwas anderes, die virtuelle Welt nach Vorbild der wirklichen zu konstruieren als umgekehrt.
Da drängt sich doch die Frage auf, was als Nächstes kommt. Schließlich sind nur die wenigsten Online-Spiele so produktiv und friedlich in ihrem Wesen wie FarmVille. Was beispielsweise, wenn die US-amerikanische National Rifle Association auf den Geschmack von Mafia Wars kommt, dem eher destruktiven Bruder von FarmVille und ebenfalls von Zynga?
Und: Wann kann ich mit Farm Coins, dem virtuellen FarmVille-Geld, an der Supermarktkasse bezahlen?

21.7.10 13:48
 


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